Webmaster Toturial: Ich will keinen Erfolg mit meiner Webseite

Willkommen liebe Webmaster zu unserem kleinen (nicht ganz ernst gemeinten) Einführungskurs:

Was muss ich machen, wenn ich als Webmaster auf keinen Fall Erfolg mit meiner Webseite haben will?

Benötigte Utensilien: Kampfweste, Tarnanzug, Scheuklappen, Fliegenklatsche

erfolgloser Webmaster

Nicht erfolgreich sein

Planung

Zuallererst sollten Sie sich darüber im Klaren sein, wen und was Sie mit Ihrer Webseite erreichen wollen.
Um nicht immer nur pauschale Aussagen machen zu müssen, wollen wir uns ein Beispiel ausdenken.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Händler und betreiben ein Geschäft, in dem Sie schon einige Jahre erfolgreich Computerhardware vertreiben. Jetzt entschließen Sie sich, auch im Internet vertreten zu sein und eventuell sogar Ihre Waren über einen Shop anzubieten.

Bevor Sie sich auch nur einen Moment lang Gedanken über den Aufbau oder das Design machen, kaufen Sie sich zunächst einmal eine Software im Sonderangebot mit dem Titel „Webseiten für jedermann leicht gemacht“ oder so ähnlich, denn Zeit ist Geld.
Falls Ihnen urplötzlich ein Gedanke durch den Kopf schießt, dass Sie das noch nie gemacht haben und eventuell etwas falsch machen könnten, schütteln Sie sich einmal und verdrängen diesen Gedanken schleunigst, denn selbst ist der Mann oder die Frau und warum sollten Sie so viel Geld an professionelle Webdesigner verschwenden. So schwer kann es doch nicht sein.

Da Sie wissen, dass man in der Praxis am besten lernt, legen Sie gleich los, installieren die gekaufte Software, suchen sich eine vorgefertigte Designvorlage aus und . . .
Was ist das denn . . . ? Dort steht nun, Sie sollen einen FTP-Zugang zu Ihrer Webspace anlegen.
Plötzlich dämmert es Ihnen. Ja, natürlich. Sie brauchen ja auch einen Hoster, bei dem die ganzen Daten gespeichert werden müssen. Kein Problem! Sie öffnen die Seite Google.de und geben den Suchbegriff „Hoster“ ein.
Ganz oben in der Liste, von 23.800.000 Suchergebnissen, steht „Webspace und Domain gratis“.
Freuen Sie sich, denn Sie haben schon wieder Geld gespart!
Auf der Internetseite des Anbieters finden Sie tatsächlich ein Angebot, dass im ersten Jahr nichts kostet, also nicht lange fackeln und alle Ihre Daten eingeben.
Uuups! Ach ja, es muss ja noch eine Domainname angemeldet werden, aber was nehmen wir denn da? Schwierige Entscheidung für jeden Webmaster!
Natürlich sollte es ein griffiger Name sein und auch schnell klar machen, was man auf der Seite zu erwarten hat. Sie tippen ein: hardware.de und es kommt eine Meldung, dass dieser Domainname bereits vergeben ist. Egal, es gibt ja noch andere Möglichkeiten. Wir versuchen es weiter.
Computer.de
Computerhardware.de
Computerhandel.de
Computerkomponenten.de
Computerteile.de
Rechner.de
Rechnerhandel.de
Rechnerteile.de

Verflixt und zugenäht! Was soll das denn? Hat sich die Welt gegen Sie verschworen oder was?
Computershop.de
Computerteileshop.de
PC-Shop.de
PCshop.de
PC-Hardware.de
PC-Teile.de
PC-Hardwareshop.de
Hardwareshop.de
Rechnershop.de

Alles schon belegt.
An dieser Stelle könnte einem die Idee aufkommen, jemanden, der sich damit auskennt, mal um Rat zu fragen, aber wozu? Der kann die besetzten Domains ja auch nicht wieder frei machen.

Nach einer frustrierenden Stunde Namenssuche, entschließen Sie sich spontan für Ihren eigenen Namen „Marius Fischer“* (frei erfunden), also mariusfischer.de. Und prompt . . . Das kann doch nicht wahr sein!
Sogar das ist schon vergeben.
Vor lauter Wut und Verzweiflung geben Sie einfach mal mariusfischercomputershop.de ein und siehe da, endlich mal ein grüner Haken, statt eines roten Kreuzes. Alles in Ihnen sträubt sich dagegen, aber Sie wollen endlich vorankommen und man kann es vielleicht später noch ändern.
Also Klick. Das wäre geschafft. Es kann weitergehen.

Tipp: Bei der Suche nach einem Domainnamen gibt es zwei Richtungen.
1. Um bei Suchmaschinen besser gefunden zu werden, bietet sich an, den Namen mit Ihrem Produkt oder Dienstleistung in Verbindung zu bringen.
2. Oder Sie registrieren Ihren eigenen Namen bzw. ihren Firmennamen. Das macht aber nur dann Sinn, wenn Sie schon bekannt sind und wenn explizit nach diesem Namen gesucht wird.
Der Domainname ist sehr wichtig. Lassen Sie sich genügend Zeit bei der Suche und holen Sie sich Rat bei Profis.

Design

Die günstige Software nimmt Ihnen als zukünftiger Webmaster vieles ab. Eine der Designvorlagen haben Sie bereits ausgewählt. Sie orientieren sich bei der Designauswahl nur an Ihrem eigenen Geschmack, schließlich ist es Ihre Seite und sie muss Ihnen gefallen. Was Ihre Zielgruppe denkt, spielt keine Rolle. Sie achten darauf, dass Sie Ihre eigenen Lieblingsfarben verwenden und ignorieren völlig Ihre Seitenbesucher, Ihre Produkte oder Dienstleistung, die Sie anbieten wollen.
Wenn Sie z.B. eine Website für einen Steuerberater erstellen, sollte die Seite knallig und kunterbunt sein. Umgekehrt sollte ein Internetauftritt für Kindermoden nur in schwarz weiß erstellt werden.
Außerdem sollten Sie nicht vergessen, bunte blinkende und flimmernde Bildchen auf Ihrer Seite zu verteilen. Das erhöht die Aufmerksamkeit und wenn es Werbebanner von anderen Firmen sind, können Sie auf diese Weise auch noch nebenbei Geld verdienen.

Tipp: Noch bevor die Seite sich ganz aufgebaut hat, entsteht beim Betrachter ein Gefühl, ob dieser sich auf der Seite „wohlfühlt“ oder nicht.
Dieser Prozess dauert nur ca. eine Sekunde und spielt sich unterbewusst ab.
Darum sind die Wahl der Farben und die Anordnung der Seite sehr wichtige Faktoren.
Sobald es Bewegung auf der Seite gibt, zieht es die Aufmerksamkeit auf sich und es stört beim Lesen der Inhalte. Verzichten Sie auf jegliche Form von Animationen.

Menüpunkte

Als nächstes sollen die Menüpunkte angelegt werden. Kein Thema.
Home
Shop
Wir über uns
Kontakt
Impressum
Das muss reichen.

Sie verzichten darauf, Ihre Produkte genauer zu beschreiben. Je weniger die Kaufinteressierten erfahren, desto besser ist es.
Da Sie der einzige Anbieter für Computerhardware sind, werden sie früher oder später bei Ihnen kaufen müssen.
Es gibt sogenannte Produktkonfiguratoren und Angebotsrechner, die interaktiv die Interessenten beim Zusammenstellen begleiten und immer den aktuellen Preis anzeigen. Da die Software zur Homepageerstellung diese Funktion aber nicht mitbringt, kann man auch getrost darauf verzichten.

Tipp: Die Beschriftung der Menüpunkte muss schnell Auskunft darüber geben, was sich dahinter verbirgt. Wenn Sie einen Menüpunkt z.B. Hardware anlegen, können Sie Untermenüs erstellen, z.B. Gehäuse, Netzteile etc. Je genauer Sie die Aufteilung vornehmen, desto übersichtlicher wird die Seite und umso schneller findet man die relevanten Informationen.

Inhalte

Da Ihre Seite noch ganz frisch ist, kennt sie keine einzige Suchmaschine und auch wenn Sie die komplette URL als Suchbegriff eingeben, erzielen Sie keinen einzigen Treffer. Damit das auch bloß so bleibt, sollten Sie tunlichst darauf verzichten, sogenannte Keywords auf Ihrer Webseite zu verwenden.
Füllen Sie Ihre Homepage mit allem möglichen Müll und achten darauf, dass Sie nicht mal mit einer Silbe Auskunft darüber geben, was Sie denn nun konkret anbieten. Erzählen Sie stattdessen lieber Anekdoten aus Ihrer Jugend, denn Ihre Seitenbesucher werden mit 100%iger Sicherheit nur Menschen zwischen 18 und 24 Jahren sein und garantiert nicht älter oder jünger.

Suchmaschinen durchforsten Ihre Webseiten nach relevanten Begriffen, deshalb sollten niemals Wörter, wie z.B. Hardware, PC, Computer, RAM etc. irgendwo auftauchen. Das können Sie z.B. so umgehen.
„Yo, Leute! Schön, dass ihr euch auf meine Seite verlaufen habt. In meinem krassen Shop findet ihr voll die coolen Teile, die eure Kisten so tierisch fit machen. . . usw.“

Falls Sie dennoch auf die Idee kommen sollten, brauchbare Inhalte einzupflegen, dann sollten diese so ellenlang sein, dass niemand ein Interesse verspürt, so viel Zeit seines Lebens zu vergeuden, sich da durchzukämpfen.

Tipp: Inhalte und Beschreibungen sollten kurz und informativ sein. Heben Sie die wichtigen Punkte hervor, in dem Sie eine einheitliche und gut durchdachte Formatierung wählen. Überschriften können helfen.
Benutzen Sie Begriffe und Formulierungen, die jeder verstehen kann.
Beschreiben Sie Ihre Produkte oder Dienstleistungen ausführlich. Wer kauft schon gerne die Katze im Sack? Außerdem sind gute Referenzen immer von Vorteil.
Fachbegriffe oder Fremdwörter sollten Sie erklären.
Machen Sie sich eine Liste von sogenannten Keywörtern, die für Suchmaschinen in Frage kommen und verwenden diese, besonders auf der Startseite.

Bilder

Da Sie nun die Seiten mit Ihrem Unsinn gefüllt haben, begeben Sie sich an Ihren Shop. Hier sollen Sie nebst Beschreibung und Preis Bilder hochladen.
Das Programm bietet Ihnen eine tolle Funktion. Sie brauchen Bilder nicht zu verkleinern. Die Größe Ihrer Bilder spielt keine Rolle. Sie werden automatisch angepasst.
Schön und gut, aber wo nehme ich denn jetzt Bilder her? Oh ja! Das Internet ist voll davon. Also ab auf die Herstellerseiten und herunter kopiert, was das Zeug hält.
Sie haben nur 5 Bilder in den Shop eingegeben und schon brauchst es ewig, bis eine Seite aufgebaut wird, aber das kann ja nur am Hoster liegen.

Tipp: Bilder, Grafiken und Fotos unterliegen in den meisten Fällen einem Copyright. Erkundigen Sie sich vorher genauestens, bevor Sie auch nur ein einziges Bild auf Ihre Seite setzen. Das kann sonst sehr teuer werden.
Bilder sollten Sie einmal in kleiner Form, also Thumbnail und einmal in groß zu Verfügung stellen. Wenn immer das große Bild geladen wird, kann es zu sehr langen Ladezeiten kommen, auch wenn die Darstellung hinterher klein ist.

Abschlussarbeiten

Sie benutzen schon seit längerem den Internet Explorer 7 und es sieht auf Ihrem Rechner alles gut aus. Dann ist ja alles in Ordnung.
Kommen Sie bitte nicht auf die Idee, sich Ihre Website mit einem anderen Browser anzusehen. Erstens könnte es passieren, dass die Darstellung chaotisch aussieht und zweitens kann es Ihnen egal sein, denn es nicht Ihr Problem, wenn jemand einen anderen Browser benutzt als Sie.

Auf so einen Schrott wie AGB können Sie auch gerne verzichten, denn diesen kleingedruckten Mist liest sowieso keiner.

Testphase? Wieso testen? Da Sie unfehlbar sind, werden Sie schon keinen Fehler gemacht haben.

Die Leute, die immer von einer verschlüsselten Verbindung sprechen, haben eins gemeinsam. Sie sind paranoid. Als ob die ganze Welt nichts Besseres zu tun hätte, als Ihren Shop und Ihre Kunden auszuspionieren.
Als Sie sich bei Ihrem Hoster danach erkundigen, teilt Ihnen dieser mit, dass in Ihrem Gratis-Paket diese Funktion nicht enthalten ist und Sie sich ein reguläres Hosting-Angebot aussuchen sollen, das plötzlich Geld kosten soll und außerdem sollen Sie für das Zertifikat für die verschlüsselte Verbindung auch noch zahlen. Dann muss es eben ohne gehen. Also klicken Sie jetzt bitte schnell auf den Button „Seite veröffentlichen“.

Tipp: Die Barrierefreiheit ist ein wichtiges und immer wichtiger werdendes Thema. Es ist die Aufgabe des Seitenbetreibers, sich um die Barrierefreiheit zu kümmern. Nicht nur die Darstellung mit verschiedenen Browsern sollte funktionieren, sondern auch bei unterschiedlichen Auflösungen sollte sich die Präsentation dynamisch anpassen.
Gerde bei einem Shop sind die AGB von elementarer Bedeutung und sollten am besten von einem Anwalt oder zumindest von jemandem erstellt werden, der sich damit gut auskennt.
Eine Testphase ist unverzichtbar. Probieren Sie alles aus, bevor Sie Ihre Seite veröffentlichen.
Zumindest die Kundendaten müssen immer verschlüsselt übertragen werden.
Sollten Sie darauf verzichten, müssen Sie darauf aufmerksam machen und dennoch kann es rechtliche Folgen für Sie haben.

*Der Name „Marius Fischer“ ist frei erfunden. Jegliche Übereinstimmung oder Ähnlichkeit mit lebenden oder bereits verstorbenen Menschen ist reiner Zufall und nicht beabsichtigt. Wir entschuldigen uns bei Betroffenen im Voraus.

Autor: http://www.contentworld.com/authors/profile/11472/

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